Anwendung magnetischer Materialien in der Medizintechnik

Neodym-Magnete, die in MRT-Geräten für fortschrittliche medizinische Bildgebung verwendet werden

Magnetresonanztomographie (MRT)

Magnetresonanztomographie (MRT) ist wohl die bekannteste medizinische Anwendung von Magneten. Dieses nicht-invasive Diagnoseinstrument erstellt hochdetaillierte Bilder von Organen, Geweben und Skelettstrukturen ohne den Einsatz ionisierender Strahlung wie Röntgenstrahlen.

Wichtige magnetische Materialien: Die leistungsstärksten MRT-Geräte verwenden supraleitende Magnete aus Materialien wie Niob-Titan Legierungen. Diese Materialien haben beim Abkühlen auf extrem niedrige Temperaturen (mit flüssigem Helium) keinen elektrischen Widerstand und können daher unglaublich starke Magnetfelder (bis zu 3 Tesla oder mehr) erzeugen.

So funktioniert es: Ein MRT-Gerät erzeugt mithilfe eines extrem starken supraleitenden Elektromagneten ein gleichmäßiges Magnetfeld um den Patienten. Dieses starke Feld bewirkt, dass sich die Protonen (Wasserstoffkerne) im Körper des Patienten in eine bestimmte Richtung ausrichten. Anschließend sendet das Gerät Radiowellen aus, die die Protonen vorübergehend aus ihrer Ausrichtung bringen. Werden die Radiowellen abgeschaltet, kehren die Protonen in ihre ursprüngliche Ausrichtung zurück und senden ein Signal aus, das vom Gerät erfasst wird. Verschiedene Gewebe haben unterschiedliche Relaxationszeiten, sodass ein Computer ein detailliertes Querschnittsbild des Körpers erstellen kann.

Gezielte Arzneimittelverabreichung

In einem spannenden und wachsenden Bereich der Medizin werden magnetische Materialien verwendet, um Medikamente präzise an eine bestimmte Stelle im Körper, beispielsweise einen Tumor, zu transportieren.

Vorteile: Diese Methode minimiert die Nebenwirkungen von Medikamenten wie Chemotherapie, die typischerweise den gesamten Körper betreffen. Sie ermöglicht außerdem eine höhere Konzentration des Medikaments an der erkrankten Stelle, wodurch seine Wirksamkeit erhöht wird.

So funktioniert es: Winzige magnetische Partikel, oft aus Eisenoxidwerden mit einem Medikament beschichtet und in die Blutbahn injiziert. Anschließend wird ein externes Magnetfeld auf den Zielbereich (z. B. einen Krebstumor) angewendet. Dieses Magnetfeld lenkt die Partikel an die gewünschte Stelle, wo das Medikament freigesetzt werden kann.

Gezielte Arzneimittelverabreichung
Chirurgische Instrumente und medizinische Roboter

Chirurgische Instrumente und medizinische Roboter

Magnete verändern chirurgische Eingriffe, indem sie ein neues Maß an Präzision und geringere Invasivität ermöglichen.

  • Magnetische Operationsroboter: Winzige, schraubenförmige Roboter können mithilfe eines externen Magnetfelds durch Blutgefäße gesteuert werden. So können Chirurgen Blockaden in empfindlichen Bereichen wie dem Gehirn mit minimaler Invasivität erreichen und beseitigen.
  • Magnetkatheter: Eine ähnliche Technologie wird zum Führen von Kathetern durch den Körper verwendet. Eine magnetische Spitze am Katheter ermöglicht eine präzise Steuerung mithilfe eines externen Magnetfelds, was insbesondere bei komplexen Eingriffen am Herzen oder Gehirn hilfreich ist.
  • Magnetische Kompressionsanastomose: Bei bestimmten chirurgischen Eingriffen werden Magnete verwendet, um zwei Gewebesegmente zusammenzudrücken. Dadurch können sie ohne herkömmliche Nähte oder Klammern heilen und sich verbinden. Dies kann zu einer schnelleren Genesung der Patienten führen.

Implantierbare Geräte und Sensoren

Viele implantierbare medizinische Geräte sind hinsichtlich ihrer Funktion, Energieversorgung oder als Sicherheitsmerkmal auf Magnete angewiesen.

Herzpumpen: Einige Herzpumpen verwenden Magnetschwebebahn, wodurch sich der Rotor ohne physischen Kontakt oder Reibung drehen kann. Dies reduziert die Schädigung der Blutzellen und verlängert die Lebensdauer der Pumpe.

Herzschrittmacher: Mithilfe von Magneten können Herzschrittmacher nichtinvasiv programmiert oder ihre Einstellungen angepasst werden.

Cochlea-Implantate: Mithilfe eines Magneten wird der externe Audioprozessor eines Cochlea-Implantats an der Haut fixiert, sodass er mit dem internen Implantat kommunizieren kann.

Implantierbare Geräte und Sensoren

Andere wichtige Anwendungen

Labordiagnostik: Magnetische Partikel werden verwendet, um bestimmte Zellen oder Moleküle aus einer Probe für Forschungs- und Diagnosezwecke zu trennen. Dieser Prozess, bekannt als biomagnetische Trennung, ist für die Erkennung von Krankheiten, die Reinigung von DNA und die Isolierung von Zellen für weitere Untersuchungen unerlässlich.

Transkranielle Magnetstimulation (TMS): Bei diesem nicht-invasiven Verfahren werden Nervenzellen im Gehirn mithilfe eines starken, fokussierten Magnetfelds stimuliert. Es wird hauptsächlich zur Behandlung von Depressionen eingesetzt und derzeit auch für andere neurologische Erkrankungen wie Angstzustände und Parkinson erforscht.